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Anna Roth als Hexe verdächtigt

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Kinderhexenprozess der Margaretha Hörber zu Gebsattel 1627

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Seit dem 7.12.1627 stand Gebsattel im Zeichen der Gegenreformation.
Die katholische Margaretha Hörber kam beim evangelischen Siechenmüller Hans Herman 1626 in Stellung.
Am 15.5.1627 meldet der Siechenmüller Hans Hermann dem Schultheiß Boß in Gebsattel, daß die Dienstmagd Margaretha Hörber aus Gebsattel, eine 13-jährige Waise, entlaufen sei.
»Margaretha Hörber weigerte sich beharrlich zu beten oder gar zu konvertieren: Satan habe ihr das verboten.«
Der Rothenburgische Schultheiß Boß in Gebsattel sandte am 16.5. einen Bericht an den Rat der Stadt in Rothenburg ob der Tauber.
Margaretha Hörber wurde verhaftet und ins Büttelhaus gesteckt.
Beim Verhör in Rothenburg am 18.5. gibt sie über 20 Personen namentlich an, welche beim »Hexentanz« beteiligt gewesen sein sollen. Unter ihnen Anna Roth.
21.5.1627 Gutachten des Rechtsrats Seutter zu Rothenburg: Die angezeigten Personen zu ergreifen, seien noch keine »indicien« gegeben.
8.12.1627 wurde Margaretha Hörber aus der Haft entlassen und ins Armenhaus des Spitals in Rothenburg überführt.
»In Rothenburg gab es 1627 bis 1694 (67 Jahre lang) 28 Hexenprozesse mit 3 Hinrichtungen - alle des Totschlags oder Mordes überführt; als »Todesgrenze« galten im juristischen Kontext 14 Lebensjahre. In einem schwierigen Balanceakt erwies sich die Reichsstadt Rothenburg o. d. Tauber vergleichsweise als gemäßigt, was die Hexenverfolgung betraf - im benachbarten markgräflichen Uffenheim z.B. war das ganz anders, wie auch weitum in der Region.
In Rothenburg übten die Gerichte bei der Verfolgung angezeigter Hexen große Zurückhaltung. Dazu gehört die Einstellung der Rothenburger Richter, potentielle Ankläger möglichst von Verleumdungen abzuhalten. Bei der Prozeßführung wurde auf die Anwendung der Folter weitgehend verzichtet. Offensichtlich bestand bei den Richtern die Überzeugung, für Fehlurteile beim jüngsten Gericht geradestehen zu müssen. Die Zurückhaltung der Richter gegenüber populistischen Stimmungen trug zur Unabhängigkeit der Rothenburger Rechtsprechung bei. Im Ergebnis führte diese Einstellung der Rothenburger Richter dazu, dass es nicht zu Hexenjagden und den damit verbundenen staatsgefährdenden Unruhen kam, was sicher vielen Menschen das Leben rettete.«
NB:
Offensichtlich gab es in Rothenburg ob der Tauber keine Hexenverfolgungen mit Todesurteilen.
Bemerkenswert zu dieser Thematik ist die Stellung von Martin Luther [1483-1546] zur Hexenverfolgung. Luther befürwortete die gerichtliche Verfolgung von Zauberern und Hexen und fordert die Todesstrafe. Luthers Positionierung zum Bauernkrieg ist genauso bedenklich. Siehe Luthers Schriften zum Bauernkrieg »Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern« vom Mai 1525. »man soll sie zerschmeißen, würgen, stechen, heimlich und öffentlich, wer da kann, wie man einen tollen Hund erschlagen muss.«
Trotz alle dem, Luther ist der Popstar des Mittelalters, Wegbereiter der Reformation und Verfasser des größten Bestsellers aller Zeiten.

• Fränkischer Anzeiger vom 19.02.2010: Vortrag von Alison Rowlands über Kinderhexenprozesse in der Reichsstadt Rothenburg 1587-1709
• Fränkischer Feierabend, Ausgabe November 1954
• Verein Alt-Rothenburg e.V.: Vortrag von Alison Rowlands vom 5.2.2010
• Wikipedia: Luthers Haltung zur Hexenverfolgung
• Wikipedia: Bauernkrieg 1524/1525